
Seit vielen Jahren findet die Lawinenhundeausbildung der Arbeitsgemeinschaft Schnee (ARGE Schnee) am Enzingerboden/ Uttendorf im Salzburger Land Österreich statt. Eine Woche voller Schnee, Gondeln, neuen Erfahrungen und viel Spaß.
Als wir am Enzingerboden ankommen, scheint die Sonne. Der Schnee glitzert, der Bergsee leuchtet in sattem Türkisblau und die ganze Szenerie sieht aus, als wäre sie geradewegs aus dem Werbeprospekt des Alpengasthofs Enzingerboden entsprungen. Da fängt die erste Woche der Winterausbildung 2010 gut an. Eine kleine Runde mit den Hunden, dann geht es für die Zweibeiner zur Besprechung und für die meisten Vierbeiner in den Zwinger – leider sind Hunde nicht in allen Zimmern des Gasthofes erlaubt. Ein Umstand, der meinen Hund zu einem irritierten Blick in Richtung Frauchen veranlasst. Da rein? Wirklich? Ja. - Wir verlassen die Zwingeranlage mit dem Protestgebell unserer Hunde im Ohr und einem etwas schlechten Gewissen.
Viel Zeit, um die frisch gebackenen Zwinger Bewohner zu bemitleiden, bleibt uns aber nicht. Walter hat zur Kennenlernrunde geladen, 22 Rettungshundeführer und interessierte Neueinsteiger aus ganz Deutschland und Österreich treffen aufeinander. Man tauscht sich aus, kommt ins Gespräch, freundet sich an. Und merkt bei aller Fachsimpelei gar nicht, dass Petrus die Winterwunderland-Kulisse draußen mittlerweile gegen einen immer stärker werdenden Fönsturm ausgetauscht hat.
Zum abendlichen Spaziergang rund um den See peitscht der Wind den Schnee fast waagrecht über den Platz. Durchgefroren melden wir uns wenig später zum ersten Theorieabend. Es geht erwartungsgemäß um Lawinenhunde und das, was uns in den kommenden Tagen erwarten wird. Ein spannender Vorgeschmack, der Lust auf mehr macht. Morgen geht es ins Suchgebiet, verspricht Walter. Wir freuen uns.
Am Morgen hat der Fönsturm den Enzingerboden allerdings noch immer im Griff. Ob da die Gondeln zur Mittelstation überhaupt fahren können? Sicher, verspricht Wirt Rudi, der immer mit einem Kommentar zur Stelle ist – ob man ihn braucht oder nicht. Wir jedenfalls schauen zweifelnd aus dem Fenster und genießen dann zunächst ein leckeres Frühstücksbuffet. Das Essen hier auf 1500 Meter über dem Meeresspiegel im Alpengasthof Enzingerboden schmeckt sehr gut.
Kurz vor neun Uhr bekommen wir dann bestätigt, was wir schon fast befürchtet hatten: Die Gondeln bleiben am Boden, der Wind ist zu stark. Macht nichts, befinden unsere Ausbilder. Dann geht es eben zu Fuß zur Mittelstation. Stöhnend schultern wir die Rucksäcke und machen uns auf Tourenski und Schneeschuhen auf den Weg. Die Hunde laufen begeistert mit, endlich ist etwas los. 40 Minuten lang geht es mehrere hundert Höhenmeter bergauf. Dann kommt die Ernüchterung: Kommando zurück, der Sturm macht ein Training in fast 2 000 Metern Höhe unmöglich.
Die Ausbildung beginnt an diesem Tag trotzdem – im Kleinen. Gleich neben dem Gasthof werden in einigen Schneehaufen erste Höhlen gegraben. Unsere Aufgabe: Der Eingang soll möglichst klein sein, der Innenraum groß genug für Helfer und Hund. Das Ergebnis von rund zwei Stunden Arbeit: Drei ganz passable Höhlen, allerdings mit „Scheunentoren“, wie wir im Spaß gescholten werden.
Nun sind aber die Hunde an der Reihe. Ausbilder Axel hält einen Vierbeiner nach dem anderen fest und lässt ihn zuschauen, wie Frauchen oder Herrchen in der Schneehöhle verschwinden. Dann heißt es: Leinen los – und alle vierbeinigen Kursteilnehmer spurten hinterher. Ein, zwei Durchgänge später wird der Schwierigkeitsgrad erhöht: Erst versperren erste Schneebrocken den Eingang, dann immer mehr. Am Abend buddeln sich alle Hunde vergnügt durch eine dünne Schneeschicht zu ihren „Verschütteten“ durch –auch bei fremden Helfern im Versteck.
Eine Arbeit, die am folgenden Tag fortgesetzt wird. Heute sind die Lifte in Betrieb und unsere Hunde machen erste Erfahrungen mit der Gondel. Einfach zügig einsteigen, empfiehlt Walter. Zuerst aber ist mein Hund skeptisch: Das soll gehen? In dieses fahrende Metallgestell hüpfen? Klar. Frauchen geht voraus und zack sitzen wir in der Gondel. Die Fahrt zur Mittelstation verläuft entspannt, die Hunde schauen neugierig aus dem Fenster, Probleme macht keiner. Als Rettungshund kennt man ja schaukelnde und wackelnde Untergründe.
Im Suchgebiet angekommen, müssen die Hunde erst einmal warten. Sie werden im Schatten der zahllosen Latschenkiefern angebunden, für uns steht Arbeit auf dem Programm. In Rekordzeit graben wir neue Schneehöhlen, alle sind wild aufs Training. Das Hauptaugenmerk steht auf Motivation, die Hunde sollen schnell zum Erfolg kommen. Ran an die Höhle, buddeln, bellen, Belohnung. Alles geht Schlag auf Schlag, so sieht effizientes Training aus. Am späten Nachmittag geht es zurück auf den Enzingerboden – zu Fuß. Hundemüde fallen unsere Vierbeiner auf ihre Decken im Zwinger. Schnell noch den Napf mit Futter geleert, dann wird geschlafen.
Auch in den folgenden Tagen macht die Arbeit im Schnee einfach nur Spaß. Bei herrlichem Wetter arbeiten wir fleißig an den Fähigkeiten unserer Hunde und an unseren eigenen. Wir lernen den Umgang mit dem Lawinenverschütteten-Suchgerät und der Sonde, unsere Hunde entdecken die Möglichkeiten der Suche im Schnee. Das Gondelfahren ist längst kein Grund zur Sorge mehr, alle Vierbeiner warten direkt begeistert auf die schwebenden Gefährte. Da rein, Frauchen? Au ja! Mit einer größeren Suche zum Abschluss beenden wir am Freitag die erste Woche der Winterausbildung 2010. Nach einer Besprechung am Abend treten bereits die ersten ihre Heimfahrt an. Wir wissen schon jetzt: Wir kommen wieder! Spätestens im Winter 2011, wenn die Arbeitsgemeinschaft Schnee zur nächsten Ausbildung am Enzingerboden einlädt.
Bericht von Amrei Groß Teilnehmerin Lawinenhundeausbildung 27.-02. bis 06.02.2010


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